Island   Island Laugavegur-Trekking


Donnerstag, 28. Juni 2001, Skogarfoss (knapp über Meereshöhe) - Fimmuvorderhals (1130 m)

Skogarfoss Wir brechen um 12:15 Uhr am Skogarfoss auf und der Rest unserer Reisegruppe begleitet uns den ersten steilen Anstieg und noch etliche Wasserfälle entlang mit hoch, bevor wir uns nach einem kleinen Picknick trennen. Der Himmel bleibt trüb und weiter oben erwartet uns dichter Nebel. Teilweise ist der Nebel so dicht, daß wir nicht einmal vom Weg in der Fluß runter sehen. Welch krasser Gegensatz ist das zu meinen 5 Jahre zurückliegenden Erinnerungen mit schönstem Wetter beim damaligen Abstieg...
Fimmuvoerduhals Die erste Schutzhütte erreichen wir um 17:15 Uhr. Sie liegt auf 930 m und ist von Altschneefeldern umgeben. Die kleine Schutzhütte ist von 5 Bewohnern schon mehr oder weniger ergebnislos mit einem kleinen Gasstrahler eingeheizt worden und wir stärken uns derweil mit Tee und Schokokeksen. Nach 30 Minuten Pause sind wir immer noch verschwitzt und bevor uns völlig kalt wird, brechen wir zur Zieletappe auf.
Der Nebel ist dicht, aber ich kenne die Richtung noch und vertraue auf die gut sichtbaren Spuren im Schnee. Schon nach 20 Minuten erreichen wir den Wegweiser zur Hütte Fimmuvorderhals und 10 Minuten später erreichen wir sie dann auch. Die Hütte liegt auf 1130 m und hätte bei klarer Sicht einen gigantischen Ausblick...
Wir sind allein auf der Hütte, schließen das Gas an und kochen unser erstes Nudelgericht. In der Hütte ist es erstaunlich warm und über Nacht trocknen unsere nassen Sachen.

Freitag, 29. Juni, Fimmuvorderhals (1130 m) - Thorsmoerk / Basar-Hütte (200 m)

Auch am neuen Morgen raubt uns der Nebel jegliche Aussicht. Nur kurz konnten wir die gestrige Schutzhütte erkennen, bevor wir um 10:30 Uhr aufbrechen.
Blick vom Hochplateau Auch heute finden wir uns im Nebel wieder gut zurecht und erreichen bald das Hochplateau auf etwa 830 m. Hier reißt der Nebel auf und wir haben bei unserem zweiten Frühstück ganz schöne Ausblicke in die bizarre Landschaft der Thorsmaerktäler und Ostseite des Gletschers Myrdalsjökull. Der weitere Weg ist stellenweise drahtseilgesichert, manchmal etwas ausgesetzt, aber insgesamt ganz gut für Wanderer zu gehen.
Gegen 14 Uhr erreichen wir das Tal und inzwischen hat leichter Nieselregen den Nebel abgelöst. In der Basar-Hütte treffen wir auch Gabi wieder. Sie hatte gestern unsere Gruppe am Flughafen abgesetzt und kam heute mit dem Linienbus ins Thorsmoerktal um mit uns weiter nach Landmannalaugar zu laufen.
Auch am Abend hängen die Wolken sehr tief und wir machen nur einen kleinen Abendspaziergang am Fluß entlang.

Samstag, 30. Juni, Basar-Hütte (200 m) - Langidalur-Hütte - Botnar-/Emstrur-Hütte (500 m)

Thorsmoerk Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir die Hütte Básar. Was wir für einen typisch isländischen Witz hielten, wurde Realität. Das gesamte Thorsmoerktal ist von hunderten Studenten belagert, die hier jedes Jahr am ersten Juli-Wochenende ausgiebig feiern. Zwischen den niedrigen Büschen glitzern die auf Hochglanz polierten Scheiben und Chromstoßstangen der wuchtigen Allradfahrzeuge, dahinter ducken sich zahlreiche Zelte. Trotz einer offensichtlich durchfeierten Nacht ist die Jugend Reykjaviks immer noch fröhlich und guter Dinge. Während wir uns unseren Weg bahnen, werden wir immer wieder aufgefordert mit ihnen zu singen und zu musizieren. Als wir einer Gruppe erzählen, daß wir noch weiter nach Botnar laufen gucken sie uns ratlos an und beschließen uns ein Stück zu begleiten. Von Básar aus kann man die eigentliche Thorsmörkhütte Langidalur bereits erkennen und eine halbe Stunde später auch erreichen. Auch hier wurde und wird noch fleißig gefeiert.
Von der Langidalur-Hütte mache ich einen Abstecher auf den Berg Valahnukur (458 m), während Gabi unten auf Martin wartet. Oben habe ich eine schöne Aussicht in das Flußtal und auf die Gletscher.
Schöne Landschaft bei schönem Wetter... Auf dem weiteren Weg durchqueren wir den legendären Thorsmoerk-Wald und als wir uns bezüglich des Wegs nicht ganz sicher sind, erklärt uns ein isländischer Jugendlicher: "...falls man sich in einem isländischen Wald verirrt, solle man doch einfach aufstehen und sich neu orientieren." Schon bald lassen wir den duftenden Wald hinter uns und steigen ab zur Pröngá. Wir müssen zum ersten mal einen Fluß durchqueren und finden es ziemlich aufregend. Gleich nach dem Fluß erklimmen wir eine Anhöhe, überqueren auf einer Brücke die Ljósá und anschließend führt der Weg etwa 2 Stunden im leichten auf und ab durch immer kahler werdende Steppe. Immer wieder haben wir prächtige Blicke auf den Gletscher und einzelne Gletscherzungen. Schließlich überqueren wir den reißenden Gletscherfluß des Entujökulls auf einer Brücke und steigen anschließend steil durch losen Sand wieder auf. Nach dieser schweißtreibenden Leistung ist es nicht mehr weit zur Hütte Emstrur.
Die heutige Wanderzeit war etwa 6 Stunden bei einer Strecke von ca. 16 km. In der Nähe der Hütte Emstrur gibt es einen sehr beeindruckenden Canyon. Ein Abendspaziergang dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Außerdem kann man im nahe gelegenen Bach ein erfrischendes Bad nehmen.

Sonntag, 1. Juli, Botnar-/Emstrur-Hütte (500 m) - Álftavatn (540 m)

Berg bei Emstrur Heute ist uns Thor nicht mehr so gut gesonnen. Als wir um 9:00 Uhr abmarschieren weht ein heftiger, kalter Wind. Es ist bedeckt und um 10:00 platschen uns die ersten dicken, kalten Regentropfen in das Gesicht. Wir packen uns dicht und warm in unsere Schutzkleidung ein und bereits eine halbe Stunde später beginnt es zu allem Überfluss auch noch zu graupeln. Der Wind zerrt wütend an uns und unserem Gepäck als wir uns mit trotzig gesenktem Blick durch die schwarze Sandwüste kämpfen. Von der Landschaft ist kaum etwas zu erkennen. Nur schwarzer Sand zu unseren Füßen. Ein heimlicher Blick nach vorne wird mit brennenden Nadelstichen im Gesicht bestraft. Nach knapp 3 Stunden bietet uns ein knietiefer Fluß, den wir durchwaten müssen, eine sehr erfrischende Abwechslung und kurze Zeit später erreichen wir die Hütte Hvanngill, den einzigen windstillen, trockenen Platz auf der ganzen heutigen Strecke. Eine warme Suppe und Brot tun uns jetzt gut. Als wir eine Stunde später wieder aufbrechen hat es aufgehört zu regnen und ein weiterhin heftiger Wind bläst uns über den Berg. Um 15:00 Uhr ist Alftavatn in Sicht. Bis dahin müssen wir allerdings noch einmal einen größeren Fluß durchqueren, aber wir sind ja inzwischen sehr geübt. Wir sind froh, als wir die schöne, aber einsame Strecke geschafft haben und uns in der gemütlichen Hütte am Alftavatn aufwärmen können. Die Wanderzeit war heute etwa 6 Stunden und die Strecke ca. 16 km ohne große Steigungen.

Montag, 2. Juli, Álftavatn (540 m) - Hrafntinnusker-Hütte (1070 m)

Alftavatn-Gebiet Auf diese Strecke hatten wir uns besonders gefreut, wußten wir doch, welch unbeschreiblich schönes Panorama uns heute erwartet. Allerdings mußten wir uns das erst verdienen. In der ersten Stunde geht es noch gemütlich über liebliche Landschaft mit schönen phosphorartig leuchtenden Moosfeldern dahin. Ein letztes mal muß ein Fluß durchquert werden bevor es zum mühsamen und langen Aufstieg kommt. Die Aussicht wird dabei immer spektakulärer.
Hrafntinnusker Während des Aufstiegs findet ein völliger Landschaftswechsel statt. Beim Blick nach hinten sehen wir noch die Emstrurwüste, den Hutberg und Alftavatn-See. Oben erreichen wir schließlich die ersten heißen Quellen und das typische Landschaftsbild der Landmannalaugar-Gegend beginnt. Nach einer weiteren Stunde ständigem Auf's und Ab's vorbei an schneebedeckten, dampfenden Liparitbergen kann man schließlich die Hütte sehen und die letzte Etappe führt noch eine weitere Stunde über Schneefelder bis Hrafntinnusker (phonetisch: Kraftinüskr) schließlich erreicht ist. Diese schöne Etappe durch spektakuläre Szenerie dauert etwa 5 Stunden für 11 km. Dabei ist ein langer, steiler Anstieg, mehrere kleinere Anstiege sowie vereinzelte Schneefelder zu bewältigen.
Die Hütte verfügt über Zentralheizung von einer der heißen Quellen und nachdem man wieder aufgewärmt ist, bietet sich noch ein Abendspaziergang zum Aussichtsberg und/oder den Eishöhlen an. Die Eishöhlen findet man nach etwa 45 Minuten, nachdem man einfach über das Schneefeld des Hrafntinnusker gelaufen ist, jedoch waren die Höhlen Anfang Juli schon weitgehend eingestürzt.

Dienstag, 3. Juli, Hrafntinnusker (1070 m) - Landmannalaugar (580 m)

bei Landmannalaugar Von jetzt ab geht es über lange Altschneefelder nur noch bergab. Wir haben klare Sicht und einige dunkle Wolken in den entfernten Bergen. Einige heiße Quellen und Pools liegen direkt am Weg und schließlich bekommen wir Blick auf das Tal der Landmannalaugar. Wir legen unsere Rucksäcke ab und erklimmen in wenigen Minuten den Gipfel der Brennisteinsalda, von wo aus wir einen tollen Rundblick über das gesamte Gebiet haben. Nach einer weiteren Stunde vorbei an ‚Märchenwiese' und Blocklavabrocken erreichen wir die Hütte in Landmannalaugar.
Nach unser Wanderung durch die isländische Einsamkeit verleidet uns hier nun der Massentourismus mit seinen hektischen Tagestouristen etwas die Idylle und die angenehmen Erinnerungen an diesen schönen Ort. Wir entspannen uns und unsere Knochen und Muskeln im wohlverdienten heißen Pool.
Am Campingplatz gibt es günstige Forellenfilets (100 ISK je 100 Gramm) zu kaufen, die unseren Nudel-Speiseplan heute erheblich aufwerten. Für die ca. 11 km lange Strecke durch abwechslungsreiches, farbenfrohes Gebiet können 4-5 Stunden veranschlagt werden.

Mittwoch, 4. Juli, Landmannalaugar

Landmannalaugar Während Gabi heute nach Reykjavik zurückreist um ihre nächsten 3 Wochen zu organisieren und Martin vorwiegend im Pool entspannt, beginne ich noch bei leichtem Hochnebel die umliegende Gegend zu erwandern. Ausblick von Blahnakur Mein erster Abstecher führt mich auf die Blahnakur hinauf. Mit jedem Meter lichtet sich der Nebel und am Gipfel stehe ich als einzigster Wanderer und genieße die schöne Aussicht. Das Panorama ist einfach atemberaubend.
Über die Lavafelder, eine große Wiese und ewig breite Bachläufe erreiche ich schließlich ein Talende und erklimme dort bei einem kleinen Wasserfall auf einem kaum erkennbaren Weg den Höhenzug westlich der FI-Hütte. Über den Kamm wandere ich zum Sudullur und genieße die Einsamkeit. Kein Wanderer weit und breit, schöne Aussicht, so stelle ich mir Island vor... - nur leider verschwindet dabei die Sonne gerade hinter Wolken.

Donnerstag, 5. Juli, Heimfahrt

Ein letztes angenehmes Bad im Pool und am Nachmittag fahren wir schließlich mit dem Linienbus nach Reykjavik zurück.
Pizza-gestärkt treten Martin und ich in später Nacht schließlich den Heimflug nach München an.

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