Island   Island Reisebericht


Donnerstag, 21. Juni 2001

Knapp 4 Stunden Flug liegen zwischen München und Reykjavik. Während des Fluges geht um ein Uhr nachts die Sonne über dem Horizont wieder auf und wir sind alle überrascht. Genauso überraschend ist, daß es am Flughafen keine Zollkontrollen mehr gibt, denn Island ist seit unserem letzten Besuch dem Schengener Abkommen beigetreten. Obwohl heute der längste Tag des Jahres ist, ist es ungewöhnlich dunkel. Es muß wohl an der schweren Wolkendecke liegen, die über der Reykjanes-Halbinsel hängt. Unsere Uhren zeigen 3 Uhr morgens an - wir stellen sie einfach 2 Stunden zurück. Etwas müde beziehen wir unsere Zimmer im Gästehaus in Reykjavik und sind gespannt welche Eindrücke uns in der kommenden Woche erwarten.

Freitag, 22. Juni

Kirche Reykjavik Der Tag fängt gleich gut an. Lucia hat Geburtstag und gutgelaunt singen wir ihr zu eingeflogenem Sektfrühstück und Yes-Törtchen ein Ständchen. Die Stadtrundfahrt, die anschließend auf dem Programm steht, kommt bei unserer 8-köpfigen Gruppe gut an, denn keiner ahnt, was wir in der kommenden Woche noch Tolles erleben werden. Im Kringlan-Einkaufszentrum decken wir uns mit Lebensmitteln ein und danach lassen wir die Hauptstadt hinter uns und starten zu unserer Rundreise in das Inland.
Unter grauen Wolken und bei erfrischenden 15 Grad, genießen wir unser erstes isländisches Picknick an einem Rastplatz mit schönem Blick über den Thingvalavatn und die Abbruchkante. Frisch gestärkt erwandern wir die Allmanagja-Schlucht, in der einst das Parlament tagte bis zum Öxarafoss, den Axtwasserfall, der entstand, als einst ein entzürnter Gott wütend zur Axt gegriffen haben soll.... Thingvellir Beeindruckt sind wir sowohl von der historischen Vergangenheit (ältestes Parlament der Welt) dieses Ortes als auch von den geographischen plattentektonischen Gegebenheiten, denn hier wird deutlich, wie die amerikanische und die eurasische Platte auseinander driften. Nicht sehr weit entfernt vom Thingvalavatn-Nationalpark erwartet uns bereits das nächste Highlight - das Sulfatarengebiet Geysir. Um den Geysir Geysir "Strokkur", der uns immer wieder mit seinen Ausbrüchen begeistert, brodeln zahlreiche heiße Quellen. Seit einem Erdbeben im Jahr 2000 im Fludirgebiet ist sogar der original Geysir "Geysir", nachdem alle Geysire der Welt benannt sind, wieder aktiv und überrascht uns mit seiner kleinen Show. Wie alle Besucher sind auch wir bald süchtig nach den Ausbrüchen des Strokkur ("einmal noch...") und können uns nur schwer losreißen.
Unsere Unterkunft ist eine Farm in der Nähe des kleinen Canyons, den Hvita - der Fluß vom Gullfoss - gegraben hat. Nach einem leckeren Abendessen brechen Lucia und ich um 22 Uhr bei hochstehender Sonne noch zu einem Spaziergang am Fluß auf. In der Ferne können wir schließlich die Gischt des Gullfoss erkennen und etwas vor Mitternacht bricht der trübe Himmel auf und ein hellblaues Loch macht uns zuversichtlich für besseres Wetter morgen. Auch heute Nacht bleibt es wieder taghell.

Samstag, 23. Juni

Kjölur-Hochland Mit einem Frühstücksbüffet fängt der Tag gut an, auch wenn Fisch am Morgen noch etwas ungewohnt ist. Bei blauem Himmel besuchen wir ein zweites mal den Geysir, damit alle Fotografen zu schönen Aufnahmen kommen. Besonders fasziniert uns das Entstehen der türkisfarbenen Blase, bevor die heiße Fontäne durchbricht und hochzischt. Wir sind heute morgen mit unserer kleinen Gruppe zügig aufgebrochen und können den Fußweg am Gullfoss noch hinunter wandern bevor er für Ausbesserungsarbeiten komplett gesperrt wird. Der Gullfoss macht seinem Namen (goldener Wasserfall) wieder einmal alle Ehre auch auch bei meinem dritten Besuch löst er Begeisterung aus. Hveravellir Wir setzen unsere Tour über die Kjölur-Piste durch das isländische Hochland fort. Unser Tourguide kennt ein idyllisches Plätzchen etwas abseits, an einem tollen Wasserfall und mit Blick auf den strahlenden Gletscher Hofsjökull, wo wir bei warmen Sonnenstrahlen Mittagsrast machen. Mitten in der Wüste gibt es die kleine Oase Hveravellir. Eine warme Quelle, ein kleiner "Dampfvulkan" und bunte Wassertümpel bilden kontrastreiche Farbspiele vor der unwirklichen Kulisse der Gletscher. Nach einem Spaziergang durch die brodelnde Landschaft lassen wir uns ein Bad im heißen Pool nicht entgehen. Später können wir von einem Aussichtspunkt sogar einen dritten, den 33 km entfernten Gletscher Eiriksjökull sehen.
Abendspaziergang über Holar Schließlich haben wir es geschafft, lassen das Hochland hinter uns und erreichen wieder lebensfreundlicheres Land. In Varmahlid gibt es traditionsgemäß Kaffee und Kuchen. Anschließend fahren wir weiter nach Holar in Hjaltadal. Der ehemalige Bischofssitz ist ein netter kleiner Ort in malerischer Landschaft. Der Lachs zum Abendessen ist sehr lecker und so möchte der eine etwas mehr - der andere etwas weniger - sich noch die Füße vertreten. Während einige aus der Gruppe den historischen Pfad entlang laufen, erkunden Martin, Wolfgang und ich den naheliegenden Hausberg. Von oben ergibt sich eine unglaubliche Stimmung, als vom Meer eine Wolkenwand in das Tal vordringt. Die Sonne schimmert auf die Wolken und der mitternächtliche Abstieg durch den nebligen Wald macht Elfen und Trolle wieder ein bißchen reeller.

Sonntag, 24. Juni

Akureyri Wir besuchen das Museum Glaumbaer - eine original erhaltene Grassodenfarm. Hier gewinnen wir einen guten Eindruck vom harten Leben, daß hier einst geführt wurde. Unsere Fahrt führt uns durch die liebliche Öxnadalsheidi und an einem Gebirgszug vorbei, den wir spontan zu "Dolomiten" erklären. In Akureyri genießen wir bei einem Bummel durch die kleine Fußgängerzone leckeres Softeis. Sommerliche Temperaturen, strahlend blauer Himmel, gigantische Landschaft, Godafoss und Pseudokrater - ein Highlight jagt heute das andere.
In den Lavaformationen von Dimmuborgir kann man den einen oder anderen Troll erkennen und im Gebiet der Krafla haben wir keinen Zweifel mehr inmitten eines Hexenkessels zu stehen. Überall blubbert und raucht es aus dem Boden. Man glaubt fast, die Erde könne jedem Moment - so wie zuletzt 1984 - wieder neu aufbrechen und Lava spucken. Ein Rundgang um die Viti - die Hölle - beendet diesen schönen und ereignisreichen Tag bevor wir uns ausgehungert auf das Abendessen, Fisch und Lamm, stürzen.

Montag, 25. Juni

Myvatn-Gebiet Die Gruppe freut sich auf den heutigen Tag, im Bus herrscht wieder einmal gute Laune. Wir wollen die Tjörnes-Halbinsel umrunden. Das Wetter hält uns auch die Treue und bei herrlichem Sonnenschein erkunden wir die ehemalige Walfänger-Stadt Husavik. Ein Museum dokumentiert die Vergangenheit der Walfangboote. Auf der Weiterfahrt stoppen wir noch an einer großen Vogelklippe, sehen Papageientaucher, und erreichen die Hufeisenschlucht Asbyrgi. Odin schickt uns Sonne zum Picknick, während wir die verschiedenen Entstehungsvarianten der markanten Felsformation diskutieren. In Hljodaklettar sieht es aus, als ob der Schöpfer übrig gebliebenes Material zwischengelagert hätte. Myvatn-Gebiet Wir sind begeistert von den beeindruckenden Basaltformationen und dem roten Berg, den wir natürlich besteigen. Doch das war noch nicht das letzte Highlight des Tages. Der Dettifoss, Europas mächtigster Wasserfall erwartet uns mit seinen unglaubliche Wassermassen, die sich wagemutig den Canyon hinunter stürzen. Durch die Gischt werden wir triefend naß, aber dafür bekommen wir noch einen Regenbogen, der für alles entschädigt. Auf einer abenteuerlicher Allradpiste werden wir kräftig durchgeschüttelt bis wir schließlich wieder das Myvatn-Gebiet erreichen. Namaskard, ein Solfatarenfeld mit zahlreichen Schlamm- und Blubberlöchern bildet den Tagesabschluß. Manche Gasblasen erreichen eine erstaunliche Größe und spucken wütend mit Schlamm nach uns. Auch heute klingt bei schönem Wetter und gutem Essen wieder ein ereignisreicher Tag aus.

Dienstag, 26. Juni

Herdubreid Heute steht uns eine lange Etappe bevor. Wir wollen die Missetäterwüste durchqueren. Davor haben wir einen schönen Blick auf Herdubreid, der Königin der isländischen Berge. Eigentlich wollen wir in Mördrudalur beim wohl einsamsten Hof Islands eine Pause machen, aber die Farm hat seit diesem Jahr eine Umgehungsstraße bekommen und die Ringstraße Nr. 1 führt nun in 8 km Entfernung an dem nun noch einsameren Hof vorbei. Damit wir nicht nur den ganzen Tag im Bus sitzen müssen, unternehmen wir noch einen Abstecher um den Lagarfljöt und wandern hinauf zum Hengifoss, Islands dritthöchstem Wasserfall. Auch dieser begeistert uns mit seinen bildschönen Basaltsäulen. Außerdem gibt es hier am See Islands größtes zusammenhängendes Waldgebiet und es ist für uns inzwischen ziemlich ungewöhnlich, durch einen Wald zu fahren. Zudem blühen hier blaue Lupinen in Massen und bilden einen wunderschönen Kontrast zu den milchblauen Lagunen des Sees. Später, als wir über einen fast 1000 m hohen Paß zur Ostküste fahren, lassen wir leider auch den Sonnenschein zurück. Hier an der Ostküste Islands hängen die Wolken fest. Die Straße schlängelt sich an langen Fjorden entlang. Kurz vor Höfn reißt die Wolkendecke wieder auf und tanzende Sonnenstrahlen entschädigen uns für das grau der vergangenen zwei Stunden. Bald haben wir auch unsere Unterkunft erreicht und vom Balkon aus haben wir einen schönen Blick auf die Eiszungen des Vatnajökulls.

Mittwoch, 27. Juni

Vatnajökull Wir kommen den mächtigen Gletscherzungen immer näher bis plötzlich der Jökulsarlon mit seinen Eisbergen aus dem Nebel auftaucht. Beim Wandern entlang des Sees, fernab des Touristenrummels ist nur das Knacken des Eises und das vereinzelte Donnern von abbrechendem Eis zu hören. Wolfgang kann es nicht lassen und nimmt ein Bad im Gletschersee. Im Skaftafell-Nationalpark besuchen wir den Svartifoss und anschließend die beeindruckende Gletscherzunge Svinafellsjökull. Unsere letzte feudale Übernachtung verbringen wir im Ort mit dem unaussprechlichen Namen Kirkkkkkkbeiklaustur oder so ähnlich.

Donnerstag, 28. Juni

Kap Dyrholae Das Wetter ist heute zum ersten mal trüb - aber, so wie die ganze Woche schon, trocken. Am Kap Dyrholae lassen uns die Papageientaucher ganz nahe zum Fotografieren heran. Außerdem können wir die Felsen erkennen, als angeblich zwei Trolle versuchten, einen Dreimaster an Land zu schieben und vom Sonnenlicht überrascht wurden...
Der Skogarfoss, etwas weiter auf der Route, fällt in ziemlicher Perfektion und Symmetrie beeindruckende 60 m und diese Höhe werden wir jetzt erstmals mit Gepäck ersteigen, denn hier trennen sich unsere Wege. Während die restliche Reisegruppe noch den Seljalandsfoss und Hveragerdi besichtigen und anschließend heute Nacht die Heimreise antritt, machen Martin und ich uns auf den beschwerlichen Weg über den Gletscher nach Thorsmörk...
 
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[Reisebericht unserer zweiten Woche: Laugavegur-Trekking]



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