Namibia Namibia Reisebericht Mietwagenreise



Reisebericht Namibia per Mietwagen und Zelt (3. Woche)

Namibia Mit Zelt und Mietwagen (Pkw) als Individualreisende auf großer Rundreise in Namibia. Reisebericht über unsere Namibiareise (Selbstfahrertour) vom 19. Februar 2001 bis 28. März 2001.
Geschrieben von Gabriele Sigl.




Swakopmund - Outjo, 06.03.2001 - 14.03.2001, Tage 16 - 24
Swakopmund - Cape Cross - Spitzkoppe - Ameib Ranch - Brandberg - Twyfelfontein - Palmwag Lodge - Kamanjab - Opuwo - Outjo


16. Tag, 06.03.01, Dienstag, Swakopmund - Cape Cross - Spitzkoppe

Swakopmund Heute heißt es wieder Abschied nehmen vom ungewohnten Luxus. Unser erstes Problem besteht darin all unser Hab und Gut samt neuer Souvenirs in unserem neuen roten Flitzer zu verstauen. Auch die Vorräte für die nächsten Tage brauchen ihren Platz. Endlich ist das Auto geladen, die Küche eingerichtet, der Tank gefüllt und es kann los gehen entlang an der Küste nach Norden zum Cape Cross. Die Piste ist in gutem Zustand und unser Auto schnurrt dahin. Schon nach 2 Stunden erreichen wir das Gate von Cape Cross. Doch was ist das? Hier scheint heute geschlossen zu sein. Einige Touristen stehen hier schon seit Stunden. Wir lassen uns davon nicht abhalten und legen die paar Kilometer zu Fuß zum Robbenstrand zurück. Schon auf dem Weg dorthin stolpern wir über unzählige Gebeine und Kadaver. Im Meer tummeln sich Tausende von Robben, die Felsen sind lückenlos belagert. Das Geschrei der Tiere beherrscht die Atmosphäre und der stechende Geruch tut sein Übriges. Es ist ein unbeschreibliches Schauspiel: manch kleiner Revierkampf, mach verlegenes Kratzen und manch tollpatschiges Weghumpeln - es gibt immer etwas zu sehen. Getrennt durch eine Mauer können wir uns vorsichtig bis auf wenige Meter nähern und sogar ein Muttertier beim Säugen ihres Kleinen aus nächster Nähe beobachten. Die alten Bullen liegen faul auf ihren persönlichen Felsen und verteidigen diese geifernd gegen andere Anwärter. Sogar die Jungtiere beißen sich eifrig durch. Hier wird es nie langweilig. Der Abschied fällt schwer, wir lassen das Meer hinter uns und biegen bei Hentiesbaai in das Inland ab. Das Tagesziel soll die Spitzkoppe sein, die wir am flachen Horizont schon von weitem sehen können. Hier gibt es in prächtiger Landschaft einen bescheiden eingerichteten Zeltplatz am Fuß der Spitzkoppe. Es gibt weder Dusche noch Wasser und auch kein Licht. Nur die Sterne und der Mond beleuchten uns die Nacht nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang.

17. Tag, 07.03.01, Mittwoch, Spitzkoppe - Ameib Ranch

In der Nacht hat es leicht geregnet. Wir verlassen den schönen Platz und versuchen die Spitzkoppe zu Fuß zu umrunden. Schon bald merken wir, daß eine Umrundung ein ziemlich überdimensionales Unterfangen darstellt. Schließlich brechen wir die Wanderung ab und versuchen das ganze mit dem Auto noch einmal. Leider ist die Gegend schlecht ausgeschildert. Wir finden keine Felsmalereien und keinen Wasserpool, statt dessen finden wir eine Schlange in einer Felsnische. Man könnte meinen, das wäre für Afrika nichts besonderes aber wir hatten auf unserer ganzen Reise noch keine gesehen und sollten auch keine mehr sehen und somit erklärten wir die Schlange zum Highlight des Tages. Schließlich entdecken wir durch Zufall noch eine natürliche Steinbogenbrücke bevor wir das Gelände durch den anderen Eingang verlassen. Hier ist auch der offizielle Campingplatz mit einem bescheidenen Restaurant. Spitzkoppe Auf der weiteren Strecke nach Usakos sehen wir vermehrt Blechhütten - wir befinden uns also im Damaraland. Eine Schule hören wir schon von weitem und am Straßenrand werden rohe Halbedelsteine auf einfachen Bretterständen angeboten. Von überall kommen die Leute gelaufen um uns ihre Steine zu verkaufen. Blechdosen und Plastiktüten wehen durch die schöne Landschaft. In Usakos machen wir einen Tankstop und Mittagspause mit leuchtend gelbem Hefekuchen und kalter Cola. Auf der Fahrt zur Ameib Ranch durchqueren wir einige große aber wie immer trockene Flußläufe. Die Vegetation wird wieder freundlicher: es wird grüner und es gibt hier viele große schattenspendende Bäume. Dahinter ragen zu unserer Überraschung die neugierigen Hälse einiger Giraffen auf. Sie sind ganz nahe, doch als wir uns zu Fuß nähern entfernen sie sich langsam. Die Farm ist sehr hübsch angelegt und es ist ruhig hier. In der Nähe gibt es einige größere Wasserstellen und in der Ranch selbst gibt es unzählige Volieren und Käfige mit Vögeln aller Art. Der Pool kommt uns gerade recht. Wir können uns erfrischen und ausruhen. Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zur Wasserstelle in der Hoffnung einige Tiere zu sehen. Leider gibt es nur ein Zebra und das soll ziemlich bissig sein. Zu unserem Glück bleibt es in seinem Gehege und macht uns nur durch gehässiges Wiehern nervös. Im Beobachtungsturm richten wir unser Abendessen her, doch kein Tier will uns Gesellschaft leisten. Nach einer Weile laufen wir zurück zu den Giraffen die noch immer an der selben Stelle grasen. Schade, daß sie so scheu sind, sie entfernen sich langsam im Sonnenuntergang.

18. Tag, 08.03.01, Donnerstag, Ameib Ranch - Brandberg

Hier in der Umgebung soll es Felszeichnungen und einige andere Sehenswürdigkeiten geben die wir natürlich besichtigen wollen. Es ist nicht weit zu der Höhle, aber der Weg ist ziemlich sandig. Vom Parkplatz müssen wir noch eine halbe Stunde durch das Gebirge klettern, bis wir die Höhle mit dem berühmten weißen Elefanten erreichen. Leider verstehen wir zu wenig von Kunst und Geschichte um die Malereien gebührend schätzen zu können, wir machen jedoch einige Fotos bevor wir umkehren. Giraffe Mal sehen, was die anderen Punkte so bieten. Der Sand auf der Straße wird immer tiefer. Wir quälen das Auto solange mit Schwung durch die Furchen bis wir irgendwann doch kläglich im Sand stecken bleiben. Schöne Bescherung. Irgendwie sollten wir das Fahrzeug wenden, doch was wir auch tun, die Reifen versacken immer tiefer. Entschlossen funktionieren wir unsere Teller zu Schaufeln um und graben und schieben das Auto mit vereinten Kräften Zentimeter für Zentimeter auf festen Grund. Das ist harte Arbeit und wir sehen aus wie frisch paniert. Wir unternehmen noch einen Versuch, eine der Sehenswürdigkeiten zu finden aber eigentlich ist uns die Lust vergangen. Unter Einsatz aller Kräfte, die unser Auto hergibt, schaffen wir es zurück zum Campingplatz, nehmen ein Bad im Pool und machen uns dann auf unsere weitere Reise zum Brandberg. Je nördlicher wir kommen desto dichter scheint das Land besiedelt zu sein. Auch die Orte sind größer und belebter. Wir erreichen Uis. Sehr einladend ist die Stadt nicht, also nehmen wir die 30 km auf uns und fahren weiter zum Brandberg. Hier soll es einen Campingplatz geben und wir hoffen morgen früh gleich vor der großen Hitze eine Wanderung unternehmen zu können. Die Straße zum Campingplatz ist sehr schlecht und um uns eine Wiederholung des Abenteuers von heute morgen zu ersparen beschließen wir an einer geeigneten Stelle wild zu kampieren. Fasziniert beobachten wir ein bedrohliches Gewitter in der Ferne. Wir können die Regenschwaden erkennen und davor sehen wir einen herrlichen Regenbogen. Als das Gewitter gegen abend immer näher kommt zieht ein kräftiger Wind auf und wir können nur hoffen in dieser Nacht glimpflich davon zu kommen.

19. Tag, 09.03.01, Freitag, Brandberg - Twyfelfontain

Der Wind hat die ganze Nacht wütend an unserem Zelt gezerrt bis schließlich der Regen kam. Doch als wir aufstehen scheint bereits wieder die Sonne. Zum Frühstück erwartet uns heute eine ganz andere Überraschung. Eine Flasche Yoghurt hat sich selbständig gemacht. Die eine Hälfte müssen wir entsorgen, da sie der Hitze nicht standgehalten hat, die andere Hälfte schwimmt in unserer Lebensmitteltasche zusammen mit allen anderen Lebensmitteln. So eine Sauerei kann einem glatt das Frühstück verderben. Wir brechen unser Lager ab und machen uns auf den Weg zur "White Lady" - einer berühmten Felszeichnung. Diese darf neuerdings nur noch mit einem Guide besucht werden. Ein Projekt der Gemeinde zur Arbeitsbeschaffung. Gottfried, unser Guide, erzählt uns einiges darüber. Ebenso erfahren wir viel über die Fauna und Flora, über die Geschichte der White Lady, deren Schöpfer damals und über Land und Leute von heute. Für uns ist das sehr interessant, da wir bisher kaum Kontakt zur schwarzen Bevölkerung Namibias hatten. Wir haben viele Fragen. Am Schluß kaufen wir noch ein paar Halbedelsteine und tauschen Adressen. Unser weiterer Weg führt uns nach Twyfelfontain. Die Strecke ist sehr schön. Wir kommen wieder in leuchtend grüne Gebirgslandschaft mit ebenso leuchtend roten Straßen. Die ersten Lehmhütten tauchen auf und die letzten Wellblechhütten verschwinden. Inzwischen ist der Himmel bewölkt und es ist nicht mehr so heiß, dafür aber schwül. Gelegentlich beginnt es zu tröpfeln und die Flußdurchquerungen im feuchten Sand werden von mal zu mal spannender. Das Camp liegt auf der anderen Seite eines ca. 100 m breiten Flußbetts. Es ist ausgetrocknet und es müßte schon sehr viel regnen bis das breite Flußbett mal voll würde. Wir richten uns am Fluß im Camp häuslich ein und besuchen zum Sonnenuntergang den "verbrannten Berg", der mich nicht sonderlich überzeugt, sowie die "Orgelpfeifen", die recht hübsch sind. Doch leider wird nichts aus dem Sonnenuntergang, da sich am Horizont dunkle, bedrohliche Gewitterwolken auftürmen. Wir schaffen es gerade noch trocken in unser Zelt bevor es so richtig anfängt zu regnen.

20. Tag, 10.03.01, Samstag, Tweyfelfontain - Palmwag Lodge

Eine Nacht voller Ereignisse ein Tag voller Abenteuer. Der Regen hält die ganze Nacht an. Irgendwann wache ich auf und wundere mich über den Tumult, die Lichter und Stimmen auf dem Campingplatz. Jemand schleicht nachts um 3 Uhr um unser Zelt und fragt schließlich ob uns bewußt sei, daß der Fluß soeben über das Ufer tritt. Schlagartig sind wir wach. Der ausgetrocknete Fluß von gestern steht inzwischen als reißender Strom an der Oberkante seines Betts, ca. 10 m von unserem Schlafplatz entfernt. Wir fahren vorsichtshalber das Auto aus der Gefahrenzone. Und das Zelt? Werden wir im Lauf der Nacht überschwemmt oder nicht? Schlafen wollen wir jedenfalls vorerst nicht mehr. Ein Nachbar versucht uns zu beruhigen. Sein Zelt steht direkt am Ufer und würde zweifellos vor unserem absaufen. Zum Aufstehen ist es einfach noch zu früh. Wir kriechen wieder in unsere Schlafsäcke und verlassen uns darauf notfalls von unserem Nachbarn geweckt zu werden. Am Morgen ist der Pegel deutlich gefallen. Aber trotzdem ist der Strom noch zu reißend um ihn zu durchqueren. Selbst die coolen Offroad-Cowboys stehen ratlos an der Furt. An der Straße herrscht aufgeregtes Treiben. So etwas kommt nicht alle Tage vor. Schließlich trifft der Pistenbulli von der Nachbarlodge ein und testet die Lage in dem er einfach durch den Fluß fährt. Anschließend wird eingeteilt, wer die Fahrt wagen kann. Die großen Overlander müssen als erstes ran. Man kann ihnen ansehen, daß sie lieber ohne Publikum oder besser gar nicht furten würden. Anschließend werden die kleineren Allradfahrzeuge mit einem Seil durchgeschleppt. Wir sehen für unser Auto keine Chance und stellen uns darauf ein, eine weitere Nacht hier zu bleiben. Aber zuerst machen wir uns auf den entgegengesetzten Weg um die Felszeichnungen zu besichtigen. Auch diese hier kann man nur mit einem einheimischen Guide besichtigen und wir nehmen unseren gleich vom Campingplatz mit. Er führt uns über den 1½ Stunden dauernden Pfad und zeigt uns die eine oder andere Felsgravur bis wir genug davon haben. Das Camp ist verlassen und leer als wir schließlich wieder zurückkommen. Wir wundern uns, wo die kleinen PKW's abgeblieben sind und erfahren, daß auch sie durch den Fluß geschleppt worden sind. Der Pistenbulli ist inzwischen zwar auch weg, aber vorsorglich bauen wir unser Zelt ab, machen uns abreisebereit und hoffen darauf, daß das Taxi wieder kommt. Lange müssen wir nicht warten, bis der Pistenbulli wieder auftaucht. Wie es scheint haben die beiden Fahrer großen Spaß daran, kleine Autos durch den Fluß zu schleppen. Mit Feuereifer machen sie sich daran, unseren vollgestopften Kofferraum auszuräumen, um an den Abschlepphaken darunter zu kommen. Dann kann die abenteuerliche Fahrt losgehen. Thomas darf im Schleppkahn mitfahren, während ich befürchten muß, ihm PKW abzusaufen. Das letzte Stück ist die tiefste Furt und wir rumpeln mit einigen übel klingenden Geräuschen vom Unterboden durch. Wir haben es geschafft. Aber wie wird die weitere Straße sein? Fest steht, daß wir den selben Fluß auf der weiteren Strecke noch einmal queren müssen, aber darüber zerbrechen wir uns erst den Kopf, wenn es soweit ist. Vorerst fahren wir zu den "versteinerten Bäumen" und die gefallen uns sogar besser als erwartet. Endlich sehen wir die Sonne wieder und es wird wieder so heiß, wie wir es gewohnt sind. Bei der Mittagspause fällt die Entscheidung für die weitere Route zwischen Khorixas und Palmwag zugunsten der Palmwag Lodge aus. Auch auf die Gefahr hin, daß uns im Fall der Fälle eines unüberwindbaren Flusses bei einer Umkehr vermutlich das Benzin ausgeht. No risk no fun. Die Weg ist stückweise die reinste Achterbahn. Wir hüpfen hoch und gleich wieder hinunter. Manchmal sind die Kuppen so steil, daß man vom höchsten Punkt kaum sieht wohin der Weg führt. Die Wasser- bzw. Schlammstände in den Senken werden mit jedem mal tiefer und wir immer mutiger. Der Huab-Fluß hat zwar inzwischen kein Wasser mehr, aber auf der Furt hat sich auf 50 m Breite eine tiefe Schlammspur gebildet. Unschlüssig waten wir das Hindernis ab. Das Wasser ist richtig warm und nicht sonderlich tief aber eben sehr schlammig. Zu unserem Glück kommt nach einer Weile ein Allradfahrzeug das für den Fall, daß wir steckenbleiben, ein Seil dabei hat. Der Einheimische kommt problemlos durch und meint wir könnten es auch schaffen. Ohne Seil und doppelten Boden wagt Thomas die Überfahrt während ich zu Fuß gehen muß. Und siehe da, es war alles gar nicht so schlimm. Weiter geht die Fahrt durch ständig wechselnde Landschaft. Durch den Regen hat das Gras eine tiefgrüne Färbung angenommen und will gar nicht so recht zur afrikanischen Vorstellung passen. Der Kontrast zur roten Erde ist wunderschön und wir hüpfen weiter durch Berg und Tal direkt in eine dunkle Regenwolke. Schon bald sind wir mitten drin. Es regnet. Wir dachten Namibia hätte ein Wasserproblem - aber statt dessen haben wir ein Problem. Der Wasserstand in den Senken wird immer höher und die Straßen werden vom Regen förmlich fort gespült. Mit Bangen erwarten wir das Schild der Palmwag Lodge. Es kann nicht mehr weit sein. Trotz des unangenehmen Nieselregens bauen wir tapfer unser Zelt auf. Die Bungalows liegen leider über unserem Budget. Wenigstens gibt es beim Zeltplatz eine überdachte Bar in der man auch ein warmes Essen bekommt. Heute haben wir uns das Rumpsteak verdient und wir beenden den aufregenden Tag mit einem kühlen Windhoek Lager.

21. Tag, 11.03.01, Sonntag, Palmwag Lodge - Kamanjab - Ermo Lodge

Irgendwann am Morgen hört es auf zu regnen. Bis das Zelt samt Inhalt wieder trocken ist unternehmen wir einen Spaziergang am Fluß. Hier haben sich noch vor einem Monat Elefanten aufgehalten. Der Beweis dafür liegt zu unseren Füßen. Die Sonne hat inzwischen unser Hab und Gut getrocknet und wir reisen weiter. Leider konnten wir nichts über den Straßenzustand nach Kamanjab in Erfahrung bringen. Offensichtlich konnte niemand die Strecke passieren. Fest steht jedoch, daß wir wieder einen großen Fluß vor uns haben. Wir überqueren einen 1540 m hohen beeindruckenden Paß über steile und kurvige Straßen. In den Senken steht das Wasser immer noch knietief. Auf dem Paß treffen wir einen entgegenkommenden PKW und wir erkundigen uns nach dem weiteren Straßenzustand. Die Prognose ist nicht unbedingt beruhigend aber nachdem uns die zwei ja entgegenkommen hoffen wir auch weiterhin Kamanjab zu erreichen. Das Haupthindernis werden wir zwar erst in etwa zwei Stunden erreichen aber umso mehr Fahrzeuge inzwischen die Furt passieren, desto schlammiger wird vermutlich die Durchfahrt durch den Fluß. Gleich nach der Paßhöhe kommt aber erstmal eine ziemlich aufgeweichte Stelle und die Fahrspuren anderer Autos haben sich tief eingegraben. Für uns geht die Fahrt bergab und wir können vorsichtig hinunterschlingern. Es kommen einige kleinere Furten die wir mühelos durchqueren können. Manch größere Furt wird zuerst abgelaufen um die beste Passage zu finden. Das ist ziemlich mühsam und wir sind immer gespannt, was uns hinter der nächsten Kuppe erwartet. Wir begegnen einem Allradfahrzeug und der Fahrer macht unsere Hoffnungen zunichte: Gar nie würden wir mit unserem Auto bis nach Kamanjab kommen und gleich hinter der nächsten Kuppe käme eine ziemlich steinige Strecke die wir wohl kaum schaffen werden und dann noch der Fluß... Die steinige Strecke ist für uns kein Problem - wir räumen die großen Steine kurzerhand beiseite und fahren vorsichtig weiter. Inzwischen wird die Umgebung wieder flacher und immer schöner. Die starken Regenfälle der letzten Tage haben die Straße teilweise zur Hälfte weggespült. Die Mini-Canyons sind bis zu einem Meter tief und wechseln sich mit Sandbänken ab. Das Gras ist tiefgrün und wir fühlen uns beinahe nach Irland versetzt wäre da nicht der rote Boden. Wie es scheint wird der Weg ab hier etwas besser. Es gibt nicht mehr so viele Senken, doch der Schein trügt. Auf ebener Strecke kommen wir an eine ziemlich aufgewühlte Stelle. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht und wie gewohnt donnern wir mit viel Schwung in den Acker und werden von bösartigen Querrinnen überrascht. Unsere Stoßdämpfer schlagen einige Male hart auf, wir schlittern quer und bleiben schließlich im tiefen Matsch stecken. Mit zwei kräftigen Schüben gelingt es uns den PKW schmatzend aus dem schlimmsten Dreck zu wuchten. Unser Auto sieht übel mitgenommen aus und wir befürchten schlimmeren Schaden. Beim Lenktest quietscht es erbärmlich, zwei Verblendungen hängen weg und der Unterboden ist vor Dreck kaum zu erkennen. Wir kriechen auf dem Boden herum und kratzen mit einem Stöckchen den gröbsten Dreck heraus. Das Quietschen läßt nach. Wir haben nochmal Glück gehabt. Die nächsten kritischen Stellen laufen wir wieder vorsichtig ab, was heißt, ich muß bei jeder Stelle aussteigen und durch den Schlamm waten. Im Notfall stehe ich zum sofortigen Anschieben bereit. Im Laufe des Tages wird die Lehmschicht auf meiner Haut immer dicker, während das Auto langsam wieder sauber wird. Den berüchtigten Fluß haben wir immer noch vor uns und als wir ihn erreichen sind wir doch sehr erstaunt. Das Wasser ist inzwischen komplett abgelaufen und alle unsere Bedenken lösen sich in Nichts auf. Endlich erreichen wir Kamanjab doch unsere Reise ist noch nicht zu Ende. Die Ermo Lodge, unser heutiges Tagesziel liegt ca. 55 km außerhalb. Auch hier ist der Weg nicht sonderlich gut. Immer wieder kommen wir an schlammige Löcher. Manchmal können wir sie umfahren und manchmal müssen wir mittendurch. Ein 4x4 Besserwisser meldet mal wieder Bedenken an, doch wir sind davon überzeugt heute schon schwierigere Passagen bestanden zu haben. Endlich haben wir es geschafft. Schlammverkrustet wie wir sind werden wir von unseren österreichischen Gastgebern sehr herzlich und von den beiden Hunden sehr stürmisch begrüßt. Den Zeltplatz können wir heute wegen Überschwemmung nicht anfahren und wir dürfen im Garten zelten. Wir staunen nicht schlecht, als wir zum Abendessen Oryx-Ragout mit Semmelknödel und Blaukraut serviert bekommen. Das gute alte Österreich läßt grüßen.

22. Tag, 12.03.01, Montag, Ermo Lodge - Opuwo

Opuwo Seit einigen Tagen haben wir die Sonne nur noch selten gesehen. 25 °C am Morgen kommen uns schon richtig kühl vor. Am Morgen ist der Himmel meistens trüb, gegen Mittag kommt die Sonne leicht durch und von da ab bilden sich dichte Wolken, vereinzelt ziemlich dunkel die dann am Nachmittag in sehr dunkel wechseln bis es abends regnet. Oft kann man in der Ferne Niederschlagstreifen sehen als ob es nur aus einer Wolke regnet. Mit diesem Wetter haben wir nicht gerechnet. Die Straßenverhältnisse ändern sich dadurch von Stunde zu Stunde. Wir wissen nie, ob uns das Wasser nicht irgendwo den Weg abschneidet und den Rückweg versperrt. Was eben noch gut zu befahren war kann nach einer halben Stunde heftigem Regen eine undurchdringliche Schlammpiste sein und ein Flußbett, das am Morgen noch reißend Wasser führt ist vielleicht am Nachmittag schon trocken. Wir müssen, was die Tagesplanung angeht sehr flexibel sein. Heute besteht unsere Planung nur aus Auto fahren. Wir wollen nach Opuwo, 250 km nördlich von hier, in das Randgebiet des Kaokoveldes und somit zu den Himbas. Eine Giraffe kreuzt vor uns die Straße und sucht aufgeregt nach einem Fluchtweg. Giraffen sind sehr lustig zu beobachten, aber leider auch sehr scheu. Hin und wieder treffen wir ein Eselgespann. Kühe und Ziegen finden wir auf der gesamten Strecke am Straßenrand oder auch mal auf der Straße. Vereinzelt sehen wir Lehmhütten und Menschen, die freundlich lachend grüßen. Alles wirkt sehr friedlich hier. Wir machen Mittagspause an einem Windrad unter einem Baum. Wir rechnen damit daß jeden Moment eine Horde Kinder auftaucht und uns umlagert, aber es bleibt alles ruhig. Eine Ziegenherde trottet gemütlich vorbei. In der Nähe gibt es eine Lehmhütte und wir sehen einen Mann, der sich in einiger Entfernung unter einen Baum setzt und uns still beobachtet. Wahrscheinlich bewacht er seine Wasserstelle. Schließlich erreichen wir Opuwo. Die Stadt ist leider kein Aushängeschild für Namibia. Sie macht einen sehr afrikanischen Eindruck. In Opuwo gibt es eine breite schmutzige Hauptstraße, zwei schmuddelig wirkende Supermärkte sowie einige andere kleine Läden zur Versorgung und weit verstreute herunter gekommene Häuser. Was nicht fehlen darf ist natürlich eine moderne BP Tankstelle. Opuwo Fasziniert beobachten wir das bunte Treiben der verschiedenen Volksgruppen auf der Hauptstraße. Wir sehen Himbas in ihrer traditionellen Aufmachung, Hereros in bunten Trachten, westlich gekleidete, sehr modern wirkende junge Frauen und Männer, jedoch kein einziges weißes Gesicht. Wir sind die einzigen Touristen hier. Der einzige Campingplatz den es hier gibt liegt etwas außerhalb und wir müssen dazu wieder ein großes Flußbett überqueren, doch davon sind wir geheilt. Ein Schild weißt auf eine weitere Campingmöglichkeit hin - allerdings in 100 km Entfernung. Wir finden eine Backpackers Lodge im Ort und können wählen: im Garten zelten oder in einem leeren Zimmer schlafen. Wir nehmen den Garten, disponieren jedoch später um, als es im Garten heftig zu regnen beginnt. Wir sollen nachts nichts im Auto lassen und räumen es dann auch lieber selber aus. Opuwo ist für uns Endstation, denn egal in welche Richtung wir fahren würden, Regen und PKW vertragen sich hier nicht.

23. Tag, 13.03.01, Dienstag, Opuwo - Wilder Busch

Wir sitzen mal wieder fest. Diesmal im wenig einladenden Opuwo. Es hat die ganze Nacht geregnet und sämtliche Zufahrtstraßen stehen massiv unter Wasser. Selbst die Allradfahrzeuge können weder rein noch raus. Wir machen das Beste daraus, bestaunen das ungewöhnliche Naturereignis "Wasser im Fluß" und versuchen zu Fuß die Gegend zu erkunden. Auf einer Fahrstraße am Fluß entlang hoffen wir in die Nähe eines Himbadorfes zu kommen. Es nieselt leicht und wir treffen keine Seele. Schließlich machen wir auf einem Felsen Rast und zwei junge Himbas besuchen uns. Wie es scheint hatten sie gehofft, heute ein paar Weiße zu treffen. Wir kommen ins Geschäft: Eine Nußschnecke gegen ein paar Fotos. Wir versuchen uns mit ihnen zu unterhalten aber außer ihren Namen, die man weder nachsprechen geschweige denn aufschreiben kann, verraten uns die beiden nichts. Unsere Namen vergessen sie auch gleich wieder und so ist das nette Gespräch bald beendet und sie schlendern ihres Weges. Der Fluß ist inzwischen weiter gestiegen und wir müssen uns auf eine weitere Nacht hier einstellen. Doch was macht man den ganzen Tag in Opuwo? Am besten das selbe wie alle hier: die Straße auf und ablaufen, Leute beobachten und herumstehen. Von einem Lokal etwas abseits einer Kreuzung können wir bei einer Cola unauffällig Menschen beobachten. Opuwo Bald kennen wir jedes einzelne Gesicht und stellen fest, daß auch keine neuen Gesichter dazu kommen - offensichtlich sind die Straßen immer noch unpassierbar. Am Nachmittag ist der Wasserstand wieder niedriger und wir wollen den Rückweg nach Kamanjab antreten. Am Himmel ist voller schwarzer Regenwolken und wir befürchten morgen wieder genauso eingeschlossen zu sein wie heute früh. Wir haben vier Furten zu bewältigen doch obwohl das Wasser noch ziemlich hoch steht können wir dank des festen Untergrundes alle Passagen mühelos schaffen. Die letzte Furt ist sogar bis zu unser Ankunft inzwischen komplett abgeflossen und wieder trocken. Wir haben es gerade noch geschafft und fahren direkt in eine dicke Regenwolke. Ein Platzregen prasselt auf uns nieder, auf der Straße bleibt das Wasser stehen, aber nach ca. 10 km ist der ganze Spuk vorbei. Wir sind unter der Wolke durch und steuern wieder blauen Himmel an. Die tief stehende Sonne beleuchtet das satte Grün, die Wasserlöcher am Straßenrand glitzern und wir sehen einen herrlichen Regenbogen. Zwei schillernd blaue Vögel kreuzen unseren Weg und wir sehen zwei Karibus beim Fischen. Es ist schon zu spät um Kamanjab zu erreichen und da kündigt ein Schild gerade rechtzeitig einen Campingplatz an. Die Schwarzen am Haus gleich hinter dem Schild haben keine Ahnung von was wir reden, nein, Campingplatz gibt es hier keinen. Wir können trotzdem problemlos unser Lager in einer Seitenstraße ganz in der Nähe aufschlagen. Gerade noch rechtzeitig bevor die Sonne untergeht.

24. Tag, 14.03.01, Mittwoch, Wilder Busch - Outjo

Zwischen Opuwo und Kamanjab gibt es einen Veterinärzaun. Da wir auf der Strecke übernachtet haben stehen wir bereits um 08:00 Uhr vor dem noch verschlossenen Tor und werden mit einem "was wollt Ihr denn schon so früh" begrüßt. Es dauert seine Zeit bis der zuständigen Beamte auftaucht und das Vorhängeschloss aufgesperrt hat. Wir nutzen die Zeit um Formulare auszufüllen und erblassen, als wir mit einem misstrauischen Blick auf den Kofferraum gefragt werden, wo denn unsere "Fireguns" versteckt wären. Doch schon im nächsten Augenblick öffnet uns der Kerl grinsend zwinkernd das Tor und lachend winken wir zurück. Die Straße führt ein Stück an der Westgrenze des Etoscha Nationalparks entlang. Hinter dem Zaun entdecken wir unsere ersten wilden Zebras und Giraffen. In Kamanjab kaufen wir wieder den leckeren "Black Forest" Joghurt für unser Müsli ein. Man weiß ja nie, wann wieder ein Laden kommt. Unser nächstes Ziel ist eine von Kamanjab 20 km entfernte Geparden-Farm. Doch gleich nach der Einfahrt zum Farmgelände kommt schon nach wenigen Metern ein großes Schlammloch. Nach anfänglichem zögern wollen wir gerade durchfahren, als uns ein Overlander-Bus entgegenkommmt und horrende Geschichten über den weiteren Straßenzustand der nächsten 8 km erzählt. Der Truck sei mehrmals steckengeblieben. Spontan streichen wir die Gepardenfarm aus unserem Programm und fahren weiter nach Outjo. Outjo entpuppt sich als liebenswerter und gepflegter Ort. Wir würden gerne bleiben, doch auch hier gibt es eine etwa 30 km außerhalb gelegene Geparden-Farm. Sie ist schwer zu finden und ein schäbiger krank aussehender Hund begrüßt uns am Tor, dann kommt der Farmer. Der ist zwar sehr freundlich, macht aber einen ähnlichen Eindruck wie der Hund. Er erklärt uns, daß sein Gepard ebenfalls krank war und vor vier Wochen gestorben sei. Wir wollen nicht bleiben und sehen zu, daß wir hier schleunigst wieder weg kommen. Schließlich finden wir einen schönen Campingplatz in Outjo. Als wir das Zelt aufbauen ergießt sich ein kräftiger Regenschauer und wir flüchten mit dem halbaufgebauten Zelt unter das Dach des Picknickplatzes. Unser Nachbar, ein Hobby-Ornithologe flüchtet sich ebenfalls vor dem Regen unter das Dach und wir nutzen die Gelegenheit sämtliche bislang gesehene Vögel aus seinem Fachbuch bestimmen zu lassen. Am Abend sehen wir zum ersten mal seit längerem wieder den schönen Sternenhimmel.

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